Archiv für die Kategorie „Skilanglauf/Skiwandern“

Grenzkammtour vom 12.03. bis 19.03.2011, von Peter Henle

Samstag, 16. April 2011

Samstag, 12. März 2011

Wolfgang startete schon gegen 5 Uhr, in Köln stieg Peter aus Köln(Peter 1) zu und bereits um 7 Uhr konnte auch Peter aus Groß-Gerau (Peter 2) zusteigen. Um 11 Uhr waren wir in Lam, wo Wolfgang und Peter 1 sich jeweils ein Paar Ski kauften. Nach dem Mittagessen beschlossen wir, gleich die Loipen am Bretterschachten auszuprobieren. So konnten wir bei herrlichem Sonnenschein die ersten Langlaufkilometer genießen. Gegen 18 Uhr waren wir dann in Spiegelau, wo nach dem Abendessen in einer Pizzeria die Vorstellungsrunde und die Planung der nächsten Tage anstanden.

Sonntag, 13. März 2011

Nach dem Frühstück fuhren wir – teilweise mit dem Bus, teilweise mit dem Auto – nach Wal

dhäuser, um dort den Aufstieg auf den Lusen, der für heute geplant war, zu beginnen.

Auf dem Weg zum Lusen

Die ersten 200 m mussten wir die Skier tragen, dann konnten wir anschnallen und in der Loipe bis zur Martinsklause laufen, wo wir uns in 2 Gruppen aufteilten. Die Martinsklause ist eine für die Holztrift 1835 errichtete Wasserstauanlage. Sie wird, obwohl menschlicher Eingriff in den Wasserhaushalt, ausnahmsweise auch im Nationalpark als Kulturdenkmal erhalten.

Die erste Gruppe fuhr über den Winterweg hoch zum Lusenschutzhaus, während die andere Gruppe über

das Teufelsloch auf den Lusen gehen wollte. Der Weg ging zuerst über einen Ziehweg, danach auf schmalen Wanderpfaden zuerst vorbei am Teufelsloch, dann zur „Gläsernen Arche“.

Christine und Beate an der gläsernen Arche

Am Fuß des Lusen hat die Glasarche nach langer Reise ihren Hafen gefunden. Die Glasarche ist ein gewichtiges Zeichen für Frieden und Toleranz: fast fünf Meter lang, drei Tonnen schwer und zusammengesetzt aus 480 einzelnen Glasplatten. Es waren Glasschleifer und Glasmaler, die unter Federführung der Glaskünstler Ronald Fischer und Hubert Stern im Jahr 2003 die Glasarche erschaffen haben. Tschechische Bildhauer legten das Schiff in eine große Hand aus Holz. Drei Jahre lange reiste die gläserne Arche durch die bayerisch-böhmische Grenzregion.

Weiter bergauf ging es bis zur „Himmelsleiter“. Hier stellten wir die Ski ab und stiegen die letzten hundert Höhenmeter hoch zum Lusengipfel. Der Lusen (tschechisch Luzný) gehört mit seiner Höhe von 1373 Metern zu den höheren Bergen im Bayerischen Wald.

Auf dem Lusen

Er liegt im Nationalpark Bayerischer Wald dicht an der Grenze zu Tschechien. Die Aussicht war traumhaft, durch die Föhnwetterlage konnten wir die Alpen sehr deutlich sehen. Nach der Stärkung im Lusenschutzhaus gingen wir die Himmelsleiter, die bergab nun „Höllenleiter“ hieß hinunter zu den abgestellten Skiern und die Abfahrt führte uns zunächst wieder zur gläsernen Arche und weiter über Waldwege hinunter bis wir schließlich die Loipe wieder erreichten und die letzten 2 – 3 km bis Waldhäuser zu den Autos in der Spur laufen konnten.

Montag, 14. März 2011

Blick auf die Talsperre Frauenau

Pünktlich um 9 Uhr stand der Bus mit den beiden Rangern, die uns heute über die Schachten führen sollten, vor dem Haus und wir wurden bis zu unserem Startpunkt, dem Trinkwasserspeicher Frauenau gefahren. Zuerst mussten wir einige Meter unsere Skier tragen, bevor wir dann wieder Schnee erreichten und anschnallen konnten. Stetig bergauf steigend erreichten wir einen Aussichtspunkt, von dem wir einen schönen Blick auf die Talsperre und den kleinen und großen Rachel hatten. Weiter bergauf ging es bis wir beim ersten der Schachten, dem „Verlorenen Schachten“ ankamen. Der verlorene Schachten ist das einzige Stück Land im Nationalpark, dass sich noch in Privatbesitz befindet. Er ist noch heute in ununterbrochenem Familienbesitz der “Freiherrn von Poschinger”. An den Verlorenen Schachten grenzt der sogenannte “Judenwald”. Der Besitzer des Waldes, dessen Fläche sich noch weit nach Böhmen erstreckt, soll ein “Jude” gewesen sein.

Pause am Almschachten

Am „Almschachten“ machten wir eine längere Pause und der Ranger Mario erklärte uns die Bedeutung der Schachten. Ähnlich den Almen der Alpen handelt es sich um baumfreie Waldwiesen. Diese freien Flächen mit einer Größe von einigen Hektar wurden von den Hirten als Übernachtungsplätze und für Pausen genutzt. Einzelne Bäume blieben auf den Wiesen erhalten, um schattige Ruheplätze für die Tiere zu bieten. Diese einzeln stehenden Bäume konnten sich ungehindert entfalten und sind oft schon uralt und von Wind und Wetter gezeichnet. Besonders faszinierend sind diese Lichtungen, weil sie in dem riesigen Waldgebiet die einzigen Freiflächen sind und oft einen guten Ausblick bieten. Die Schachten wurden bis in die 1990er Jahre beweidet. Heute werden diese Flächen in Erinnerung an die vergangene Lebensweise erhalten.

Kohlschachten

Kohlschachten

Nun ging es eben weiter zum Hochschachten und von dort machten wir einen Abstecher zum Latschensee. Der Latschensee ist ein abflussloser Hochmoorsee.Der Name leitet sich von der umgebenden Baumflora ab, die neben Latschen aber auch Moorfichten aufweist. Er ist 45 Meter lang (Nord-Süd) und bis zu 35 Meter breit. Trotz einer Fläche von nur 0,1 ha ist er der größte Moorsee des Bayerischen Waldes (der größte Moorsee auf der tschechischen Seite der Grenze, im Hochmoor Chalupská slať oder Großer Königsfilz bei Borová Lada, ist dagegen mit 1,3 Hektar wesentlich größer). Der Latschensee liegt mitten im Latschenfilz einem Hochmoor 390 Meter westlich der Grenze zur Tschechischen Republik und 350 Meter nördlich des Hochschachtens in einer Höhe von etwa 1150 Metern.

Nach dem Kohlschachten, dem letzten, den wir heute sahen ging es etwas abenteuerlich durch den Wald hinunter bis zur Hirschbachschwelle und dann einen ziemlich steilen Waldweg hinunter nach Buchenau, wo wir uns im Gasthof zum Latschensee stärken konnten.

Abends wurden wir von Hilde, einer Freundin der Wirtin Lilo durch Zitherspiel, Gesang und Geschichten unterhalten.

Dienstag, 15. März 2011

Am Mittagsplatzl

Heute fuhren wir alle zu den schneesicheren Loipen am Bretterschachten. Eine Gruppe entschied sich, nur Loipen zu fahren, während wir nach einigen Kilometern die Loipen verließen und durch das Gelände hoch zum Mittagsplatzl stiegen. Das 1340 Meter hohe Mittagsplatzl ist ein Berg und Aussichtspunkt im Bayerischen Wald direkt südlich des Großen Arbers und hoch über dem Großen Arbersee. Wer diese hoch gelegene Wiese, die früher als Almweide genutzt wurde, betritt, wird vielleicht zunächst enttäuscht sein. Doch folgt man dem Wegweiser einige Meter nach Osten zur Felsenkante, wird plötzlich der herrliche Blick auf den Großen Arbersee, in den Böhmerwald und zum Großen Falkenstein im Nationalpark Bayerischer Wald frei.

Sonnenbad in der Chamer Hütte

Von manchen Bayerwaldkennern wie Friedl Thorward wird das Mittagsplatzl als schönstes Fleckerl im ganzen Woid bezeichnet. Wir genossen die Aussicht und querten dann weiter hinüber Richtung Kleiner Arber. Kurz vor der Chamer Hütte erreichten wir die Loipe wieder.

Die Rast auf der Chamer Hütte und das anschließende Sonnenbad auf dem Balkon waren genial, aber dann weckten Beate und Wolfgang unseren Ehrgeiz, in dem sie erzählten, dass der Aufstieg auf den Großen Arber relativ einfach und auch die Abfahrt gut zu fahren ist.

Großer Arber

So machten wir uns auf zum Großen Arber, mit 1.455 m ü. NN der höchste Berg des Bayerischen Waldes.auch „König des Bayerischen Waldes“ genannt.

Bei herrlichem Sonnenschein hatten wir einen grandiosen Rundblick. Die Abfahrt war wirklich gut zu fahren und auf der Loipe ging es zurück zum Bretterschachten.

Zurück in Spiegelau wurde das Gepäck eingeladen und wir fuhren zu unserem nächsten Quartier in Mauth.

Mittwoch, 16. März 2011

Im Niemandsland

Mit den Autos fuhren wir nach Finsterau und liefen dann Richtung Grenze. Um einen langen Aufstieg zu vermeiden verließen wir die Loipe und überschritten die Grenze über einen Bach und erreichten dann das was von den Loipen noch da war auf der tschechischen Seite. Obwohl wir den Schnee immer wieder suchen mußten, war abschnallen nur sehr selten nötig. Schließlich waren wir in Kníšecí Plánì (Fürstenhut), 1020 m. Häuser stehen hier keine mehr, die Kirche ist ein Schutthaufen, auf dem inzwischen Bäume wachsen, die Fluren sind verbuscht – nur der Friedhof ist noch da, Gräber, wo sonst weit und breit nur Landschaft ist. Die Siedlung Fürstenhut lag im Böhmischen in unmittelbarer Grenznähe. Um das Jahr 1792 hatten sich hier auf einer Hochfläche, der „Schöneben“ im Zuge von Ortsgründungen des Fürsten Schwarzenberg Holzhauerfamilien aus naher und ferner Umgebung angesiedelt. Die entstandene Streusiedlung, Hutweide und eine Steinkirche formten schließlich ein Gemeinwesen, das mit der Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung 1946 und der Einebnung des Dorfes samt Kirche und Friedhof 1956 ein trauriges Ende fand.

Fürstenhut

Die Fluren wurden sich selbst überlassen und die Natur konnte dabei ihr früheres Terrain teilweise wieder zurückerobern. Erst 1989 wurden die Weiden wieder genutzt. 1991 kam die Grenzöffnung, der Nationalpark Sumava wurde proklamiert, das Areal erhielt Naturschutzstatus und auch die ehemalige Dorfstelle von Fürstenhut wurde wieder zugänglich. 1992 erhielten die ehemaligen Bewohner von Fürstenhut die Erlaubnis, die niedergewalzten Grabsteine wieder aufzurichten.

Nach der Mittagsrast im Gasthaus von Fürstenhut beschloss eine Gruppe doch noch zur Moldauquelle zu laufen, während wir gemütlich hoch nach Bucina (Buchwald), 1162 m, dem Ort mit den größten Niederschlagsmengen im Böhmerwald, jährlich 1.600 mm. Hier hat man eine der schönsten Aussichten auf den südlichen Böhmerwald und Bayern, bei klarem Wetter sind die Alpen zu sehen. Ehemals die höchstgelegene Gemeinde im Böhmerwald, gegründet in der Mitte des 18. Jh. an der Verbindungsstraße von Kvilda (Außergefild) nach Finsterau.

Grenzanlagen in Buchwald

Damals gab es hier einen Grenzübergang und ein Zollamt, etwa 400 Deutsche lebten in der Ortschaft. Nach dem Krieg wurden sie ausgesiedelt und die Gemeinde erlosch. Heute sind neben dem neu errichteten Hotel einige Grenzanlagen aus der Zeit des Eisernen Vorhangs als Erinnerung und Mahnung zu sehen.

Wieder über der Grenze gingen wir querfeldein und abenteuerlich hoch Richtung Siebensteinkopf, dann quer durch den Wald und wieder hinunter zur „Loipe“ zurück zum Parkplatz in Finsterau.

Von dort fuhren wir mit dem Auto in das Gasthaus im Freilichtmuseum, wo nach und nach alle Gruppen eintrafen.

Die Planung für morgen gestaltet sich schwierig, da schlechtes Wetter mit Regen angesagt war. Letztendlich entschieden sich einige für Krumau, einige für das Nationalparkinformationszentrum Lusen mit Hans-Eisenmann-Haus und Baumwipfelpfad und einige unentwegte für eine Tour von Finsterau über den Lusen nach Waldhäuser.

Wanderpfad zum Lusen

Wanderpfad zum Lusen

Donnerstag, 17. März 2011

Wolfgang fuhr uns unentwegte nach Finsterau zum Einstieg in die nicht mehr vorhandene Loipe. Einige hundert Meter mussten wir die Ski erst mal tragen, aber dann konnten wir doch anschnallen und noch ein Stück Loipe laufen, bevor wir Richtung Lusen auf einen schmalen Wanderpfad abbogen. Nun ging es bergauf und wider Erwarten war genug Schnee da und wir mussten nicht mehr abschnallen. Leider fing es doch leicht zu regnen an.

Eine Überquerung des Kleinen Schwarzbaches über mehrere Steine musste natürlich ausgiebig fotografiert und gefilmt werden.

Über den kleinen Schwarzbach

Den steilen Aufstieg zum Lusen sparten wir uns und liefen entlang der Grenze bis wir auf den Weg zur gläsernen Arche stießen. In der Zwischenzeit war der Regen immer stärker geworden

und als wir in der Hütte an der gläsernen Arche Rast machten, trommelte es richtig auf das Dach.

Die Abfahrt kannten wir zum großen Teil vom Sonntag und als wir den oberen Parkplatz von Waldhäuser erreicht hatten waren wir sehr froh, als wir Erwins Auto dort stehen sahen, da wir bis auf die Haut nass waren.

Heute fuhren wir in unser nächstes Quartier in Bischofsreut.

Freitag, 18. März 2011

Christine auf dem Dreisesselfels

In der Nacht hatte es – wie von Erwin angekündigt – ganz schön geschneit und wir fuhren mit den Autos zum Parkplatz am Dreisessel, konnten sofort anschnallen und zum Dreisesselfels hochlaufen. Das Dreisesselgebiet ist das Grenzgebirge im Dreiländereck von Bayern (Bayerischer Wald), Österreich (Mühlviertel) und Tschechien (Böhmerwald). Wo diese Länder aneinander stoßen, erhebt sich der Dreisessel, der mit Leben und Werk des Dichters Adalbert Stifter untrennbar verbunden ist. In alten Urkunden wird der Dreisessel als “Hennhardtsberg” (Hühnerhabichtsberg) erwähnt.

Eindrucksvoll erheben sich die etwa 20 m hohen, übereinandergetürmten Dreisesselfelsen, die über eine steile steinerne Treppe zu erreichen sind. Oben findet man drei steinerne Sitzmulden. Wie, wann und warum die drei steinernen “Sessel” entstanden, ist völlig unbekannt.

Endlich Schnee

Der Sage nach saßen vor langer Zeit die Könige der drei Länder auf dem Dreisesselfelsen und stritten um die Grenzen ihrer Länder. Erst im 19. Jahrhundert gewann der Berg an Bedeutung und wurde bekannt – wohl durch die Erzählungen und Romane Stifters. Seine Schilderungen der in sich ruhenden, weltentrückten Landschaft mit ihrem alles bestimmenden Waldwesen brachten dem Dreisessel klassischen Ruhm.

Natürlich mussten die drei Sessel ausprobiert werden und es konnte endlich die Winterlandschaft bewundert werden. Bei Schneetreiben liefen wir im tiefen Neuschnee (15 – 20 cm) entlang der Grenze zum Dreiländereck, dem Punkt an dem die Grenzen von Tschechien, Österreich und Deutschland aufeinandertreffen.

Felsformation beim Dreiländereck

Weiter ging es hoch zum Plöckenstein (tschechisch Plechý) 1.378 m Der Berg ist nicht nur die höchste Erhebung des österreichischen Böhmerwaldes, sondern auch die höchste des Mühlviertels in Oberösterreich sowie Südböhmens. Er liegt südwestlich des großen Moldaustausee (Tschechien) und ist bekannt durch die Erzählungen von Adalbert Stifter. Die Staatsgrenze verläuft genau über den Gipfel. Da es hier sehr stark wehte hielten wir uns nicht lange auf und liefen zurück zum Berggasthof Dreisessel, wo wir uns aufwärmten und es uns schmecken ließen.

Nach dem Abendessen sahen wir eine kleine Auswahl von Bildern, die Peter zusammengestellt hatte und es mussten alle aufbleiben, da wir um Mitternacht mit Sekt auf Wolfgangs Geburtstag anstießen.

Eine ereignisreiche und trotz Schneemangels schöne Langlaufwoche war zu Ende gegangen.

Bei Rübezahl im Riesengebirge März 2011, von Johann Görl und Dr. Erika Kreller

Dienstag, 29. März 2011

Riesengebirge

5.3. bis 12.3. 2011

In der alten, stark renovierungsbedürftigen Kuppelhalle des Prager Bahnhofs fanden sich nach und nach alle 9

Bahnhof Prag

Teilnehmer bei unserer Begleiterin Barbara Seidler aus Regensburg ein. Draußen strahlte Prag im warmen Sonnenschein. Schon bei der Begrüßung durch Bo­humil Zemanek, unserem tschechischen Begleiter, war sein Tempera­ment, seine wachen blauen Augen und  seine Energie zu spüren. Er war lange Zeit Leiter des Na­tionalparks Rie­sengebirge, hat diese Region Jahrzehnte per pedes oder auf Ski  erkundet und kennt wirk­lich jeden Weg in der Gegend. Wie sich herausstellen sollte, lief er beim Langlauf bergauf und bergab jedem von uns leicht davon- eben ein Profi.

Im Bus erzählte Bohumil in seinem noch von dem Leben in der KuK-Monarchie geprägten Deutsch über das schöne Riesen­gebirge, nur die schlechten Straßen  bis dahin. Er hatte auch schon die Ski für Bernd, unseren Anfänger ohne Ski , dabei. Weiter erfuhren wir einiges über schwarze Böden und das Böhmische Paradies und Edelsteine, die dort auf dem Acker liegen. Bei der Frage nach den Schneeverhältnissen wurde Bo­humil schweigsamer. Auf alle Fälle gäbe es oben genug Schnee, ließ er sich entlocken und es hätte lange nicht ge­schneit.

Nach Vrchlabí – ehemals Hohenelbe – war dann der erste Schnee zu sehen, der nach jeder Kurve hinauf nach Benecko  http://de.wikipedia.org/wiki/Benecko zunahm. Bei  der Vertei­lung der Zimmer war zwar leise Kritik über die geringen Aus­maße der Unterkünfte zu hören, beim anschließendem Ken­nenlernen und Essen und dem sehr guten Krakonos (Rübezahl) – Bier wurde die Stimmung zunehmend gelöster. Übrigens: Bier wird in Tschechien auch in Tanklastern geliefert, wie hier in Vrchlabí zu sehen ist.

Bier aus dem Tank oder Heizöl ?

Am Sonntagmorgen – wieder Sonne und blauer Himmel – stand Bohumil pünktlich 9 Uhr bereit, rank, schlank und fesch in LL – Kleidung und sagte etwas von „Eisen“ – wohl „eisig“ usw. Froh­gemut folgten wir ihm bis zu einer Abzweigung im Wald, wo die von ihm später so genannte „Eisenstraße“ begann. Einige hiel­ten es schlicht für unmöglich, diesen Eisweg mit Ski zu bege­hen. Der Ermahnung „beobachtlich“ zu sein war es zu verdan­ken, dass alle ohne Unfall – Bohumil immer voraus – nach ca. 3 km den zentralen Kreuzungspunkt Rovinka er­reichten. Dort war die frisch gespurte Loipe im Wald ein Genuss. Hier konnten wir auch  auf Geheiß von Bohumil „pro­ben“, was die Teilnehmer konnten, Pflugbremse usw. Beim Rück­weg Richtung Zaly war eine beachtliche Steigung zu überwinden, die 2. Herausforde­rung nach der „Eisenstraße“.

Schon am Morgen hatte uns Barbara eine besondere Speziali­tät in der Han­cova Bouda in Aussicht gestellt. Die Spannung stieg, doch dann kam nur eine Suppe auf den Tisch, die zwar gut schmeckte, aber niemand erriet, was diese so säuerlich machte. Es war die traditi­onelle „Kyselo“ – saure Suppe – des Riesengebirges, die am Montag mit Sauerteig zuberei­tet, die ganze Woche hielt und immer saurer wurde. Es gab also, wie es in einer Ge­schichte dazu hieß: „Am Morgen saure Suppe mit Kartoffeln und mittags dann Kartoffeln mit saurer Suppe usw.……“

Am Montagmorgen- wieder  um 9 Uhr und dazu noch pünktlich- ging es per Bus nach Spind­lermühle zum Lift Svati Petr. Mit ei­nigen Schwierigkeiten und nach dem für LL völlig un­ge­wohntem Anstehen kamen alle mehr oder weniger heil – das Problem war v.a. der Ausstieg – auf ca. 1.200 m an. Bei fantastischem Traumwetter lag das gesamte Riesengebirge vor uns, auch der von Bohumil geliebte Fuchsberg. Die Loipe war trotzdem schwierig, sodass wir den Fuchs­berg ausließen und die Vy­rovka-Bouda aufsuchten, wo, während sich einige noch orien­tier­ten, Bohumil bereits eines seiner süßen Leibspeisen, näm­lich Knödel mit Blaubeeren genoss. Es war geradezu bewun­dernswert, welche Mengen dieser Mann verdrücken konnte ohne ein Gramm Übergewicht am Körper.

Überhaupt die Bouda – Mehrzahl Boudy – . sie gehört offen­sichtlich zur Grundausstattung des Riesengebirges. Fast

Winter im Riesengebirge

nach jeder Kurve ist eine weitere Bouda zu erspähen, http://de.wikipedia.org/wiki/Bergbaude. Nach einer zunehmend eisi­g werdenden Abfahrt nach Straszne, die erhebliche Anfor­derungen stellte, landeten wir – natürlich in der „Semnoti Bouda. Dort kosteten wir die frisch gebackenen  Liwanzen –  eine typische Süßspeise, auch Plin­sen genannt http://www.tschechische-kue­che.de/liwanzen/?L=1%2Fsuche%2F%3FL%3D1. Niemand konnte den Liwanzen widerste­hen.

Abends stellten Erika und andere bei sich diverse blaue Fle­cken fest, d.h. die sichtbaren Bremsspuren zur Risikominimie­rung, dies konnte jedoch die gute Stimmung  nicht beschädi­gen. Wir diskutierten die Welt-, Seelen- und Schneelage. Einige Tage später zeigte uns dann eine DVD aus dem Vorjahr, wie das Riesengebirge „im Winter“ auch aussehen kann und blaue Flecken ausgeschlossen sind. Im Wintermärz des Jahres 2011 bedeutete das Gehen ohne Ski für manchen das größere Ri­siko.

Bei Sonnenschein brachte uns am nächsten Tag der Lift auf den Medvedin (Bärenberg) – ca. 1.230 m. Von dort ging es dann Richtung Elbquelle auf einer im Winter gesperrten Straße weiter – ohne Spur und z.T. glatt, bis zur Vrbatova-Bouda auf der „Goldhöhe“, wieder eine Herausforderung. http://de.wikipedia.org/wiki/Goldh%C3%B6he . Dort oben steht auch das Denkmal für die bei einem 50 km Langlauf Rennen am 24. März 1913 aufgrund eines Wet­terumschwungs erfro­re­nen Spitzenläufer Bohumil Hanc und Vaclav Vrbata, nach letz­terem ist die Bouda benannt – http://de.wikipedia.org/wiki/Bohumil_Han%C4%8D .

Wegen der eisigen Loipe und Bohumils Bemerkung, er könne auf der Elbwiese nur auf einen Schneefleck deuten und be­haupten „ Hier ist die Elbquelle“ lohnte der Weg zu dieser „vir­tuel­len Elb­quelle“ nicht. Auch die spektakulär über dem Ab­grund hängende Elbfallboude, die abgeris­sen werden soll, sa­hen wir nur aus der Ferne.

Sportlich, aber zu Fuß mit den Ski in der Hand, stiegen wir dann ab – nicht ohne Respekt für Tou­rengeher mit Fellen, die die “Di­rettissima“ zur Goldhöhe nahmen – Richtung Misecki. Dort fan­den wir dann Loipen frisch gespurt und bejubelt. Bohumil dämpfte die Stimmung etwas mit seiner Bemerkung, hier seien eben nur die „Kilometerfresser“ unterwegs.

Der Spaß nahm dann Richtung Rovinka wegen der glatten Loipe ein wenig ab. Zum Glück war die Chata Tereza auf dem Weg, eine Bouda und ganz frische Blaubeerknödeln – ein Ge­nuss. Diese trös­teten auch über den eisigen Abstieg zur Bouda hinweg.

Traumhafter Sonnenuntergang

Hiervon und den gefrorenen Loipen überhaupt etwas er­schreckt, verzichteten Bernd und Eckardt für den nächsten Tag auf die Ski und bewegten sich nur zu Fuß.

Natürlich sollten wir auch das Ost-Riesengebirge kennenlernen. Als Lockmittel erwähnte Bohumil eine Bouda mit Ziegen- und Lammgerichten. Also mit dem Bus nach Cerny Dul http://cerny-dul.tschechische-gebirge.de und mit dem Lift ganz ohne Anste­hen nach oben, wo in Schneisen für Gasleitungen sehr schöne Loipen das Vergnügen steigerten. Angeregt von einer Schüler­gruppe auf Ski übten auch wir das Skaten und das Laufen ohne Stock in der Spur. Mit Elan ging es dann -  an den nicht be­suchten Tetrevi Boudy vorbei – zügig wei­ter, sodass einer der schnelleren fast den Abzweig zur Lyzarska Bouda verpasst hätte. Bo­humil hatte nicht übertrieben, das Essen war gut. Auf der zentralen Kammloipe kam Pec pod Snezkou in Sicht mit ei­nem wun­derbaren Ausblick auf die Schneekoppe, darunter den Rie­sengrund, den Wiesen- und den Brunnberg und natürlich den Fuchsberg, diesmal von der anderen Seite.

Schneekoppe von Bohumils Lieblingsplatz

Heute las Barbara eine Schilderung des damaligen überzeug­ten Nazis und späteren Kinder­buchautors und Sozialisten in der DDR Franz Fühmann http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_F%C3%BChmann über den Einmarsch der deutschen Wehrmacht in das Riesengebirge aus Sicht des Deutschen vor. Fühmann wohnte in Ro­kytnice früher Rochlitz. Es war beklemmend zu hören, wie völlig ohne Wider­spruch von bishe­rigen deutschen Nachbarn – Deutsche und Tschechen waren seit Jahrhunderten Nach­barn – und mit Be­geisterung alles Tschechische, auch was bis dahin überhaupt nicht aufge­fallen war, sofort beseitigt wurde. Die Orte im Rie­sengebirge waren ja niemals nur von Deut­schen oder Tsche­chen besiedelt, sondern von beiden mit unterschiedlichen An­teilen be­wohnt. Der Anteil der Deutschen an der Besiedlung nahm zu, je weiter die Siedlungen im Gebirge lagen. Fühmann schildert, wie das Gelächter deut­scher Soldaten über ein Fir­men­schild mit einem sonderbaren Namen reichte, um das Schild sofort zu zerstören.

Am nächsten Abend hörten wir dann von Bohumil über diese Zeit aus tschechischer Sicht. Bohumil ist 1936 geboren – war also damals noch ein Kind. Sein Vater wurde früh von der Gestapo abgeholt, seine Mutter konnte ihn und seinen Bruder nicht ernähren. Deshalb musste er schon früh arbeiten, musste aus Hunger manchmal den Schweinen das Futter wegnehmen, um zu überleben. Seine Mutter mahnte ihn Deutsch zu lernen und eine deut­sche Schule zu besuchen. Nur mit Hilfe eines mu­tigen Lehrers setzte sich ein Mit­schüler in der Schule neben ihn, dem Tschechen. Nach Kriegsende kam der Vater zurück und verbot Bohumil handgreiflich, nochmals Deutsch zu sprechen.

Am nächsten Morgen hatte Helga schlecht geträumt, sie sprach beim Frühstück von Regen usw. Ein Blick aus dem Fenster zeigte aber Schneeflocken, endlich Neuschnee, der dann mit Sonne die Landschaft regelrecht verzauberte.

Nach einem Anstieg bei Neuschnee

Der frische Schnee nahm der „Ei­senstraße“ ihren Schrecken und nach ei­ner sehr schönen Runde von ca. 12 km im frischen Neuschnee über Misecki zurück nach Rovinka – mit kleinen Umwegen für die schnelleren Läufer- fanden wir in der Rovinka Bouda Platz und „probten“ „Bramborak“ = Kartoffelpuffer, Buchteln und an­dere Köstlichkeiten.

Der von Bohumil dann für die „Muti­gen“ ausgesuchte Rückweg erwies sich im Wald als schwierig, sodass wir lieber das „Ski­wandern“ d.h. Gehen mit Ski in der Hand vorzogen. Der „Ei­senweg“, den der Rest der Truppe mit unserer sehr „obachtli­chen“ Barbara nahm, wäre an diesem Tag die bessere Alterna­tive gewesen. Überhaupt Barbara, sie war immer fürsorg­lich hinten bei den Langsameren, ob bergauf oder bergab und half, wo sie nur konnte, ob­wohl ihr der Sturm an die Spitze – das war zu spüren – manchmal gefallen hätte.

Der letzte Tag war Vrchlabi http://de.wikipedia.org/wiki/Vrchlab%C3%AD gewidmet. Die dort im Museum http://www.cesky-raj.info/dr-de/museen-und-ga­lerien/riesengebirge/krkono-ske-muzeum-augustinerkloster-vrchlabi.html installierte Dauerausstellung über das Riesege­birge war fantastisch, alles per Multimedia und sehr gut aufbe­reitet, auch für Laien sehr gut ver­ständlich. Die Bildung von „Gärten“ unterhalb der Schneekoppe, von Schneewehen, von Hochmooren usw. erklärten sich von allein. Große Aquarien mit Forellen und Terrarien mit Kreuzottern, Salamandern und Frö­schen zeigten die Vielfalt der Fauna.

Natürlich hatte Bohumil auch für Vrchlabi eine spezielle Süß­speise empfohlen, eine Honig­torte, die wir zuerst in einem Café „probten“ und dann laut Bohumils Empfehlung nur in ei­nem spe­ziellen Laden, der schwierig zu entdecken war, kauften. Auch diese Spezialität überzeugte alle.

Der Abschiedsabend auf Bohumils Hütte „Sladka“ hoch über Vrchlabi war  ein weiterer ge­lungener  Höhepunkt. Nach der Geschichte über den „Schwedenstein“ hörten wir auch die Le­bensgeschichte über den jungen Mann aus dem Dorf, der un­bedingt nach Schweden wollte, dies aber nie schaffte. Die Hin­dernisse vor der Wende waren zu stark und zu groß. Die Ge­schichten über den Erwerb der Hütte – der Zufall spielte eine erhebliche Rolle – und deren Renovierung und zwar in Eigenar­beit und natürlich die vielen z. T. komischen und auch ernsten Begebenheiten wie es z.B. zum „Schwedenstein“ kam – ein Felsblock auf die Spitze gestellt oberhalb der Hütte auf dem Grad – aus seiner Biografie füllten den Abend. Wir hörten die­sen Geschichten, die das Leben schrieb mit großem Interesse zu. Dazu passte auch die romantische Atmosphäre des von Kerzenlicht schwach beleuchteten Raumes. Strom möchte Bo­humil noch nicht.

Unbemerkt hatte Bohumils Tochter einige Spezialitäten zube­reitet, wunderbare Kolatschen http://www.tschechische-kue­che.de/kolatsche/ Rotkohl-Kartoffelpuffer, gebackene Kartof­feln, die in Butter-Knoblauch-Soße zu tauchen waren und dann noch Hähnchen -„Bein“ oder – Flügel“. Fast vergaßen wir, dass ab 22 Uhr der Bus für die Rückfahrt unten im Dorf wartete.

Kulturnaher Skilanglauf für Fortgeschrittene und Lernkursler, von Johann Görl und Dr. Erika Kreller

Dienstag, 1. Februar 2011

Ein Wintertraum in Bischofsreut

Januar 2011

Die Liebste war zuerst skeptisch, als Abfahrtsass, aber LL Anfängerin und dann gleich in das Grenzland. Die Ankunft mit dem ICE in Passau war etwas enttäuschend, wie ja alle Städte im Winter. Dann ging es mit dem Bus nach Bischofsreut, nach jeder Straßenkehre wurde es immer mehr Winter und in Bischofsreut war dann schon Schnee und

Winter pur zu riechen

Mich hat das „Biolandhotel“ gelockt und ich wurde nicht enttäuscht. Essen, Trinken und die freundlichen Wirtsleute besonders die sympathische Maria verlangen unbedingt, nochmals herzukommen.

Schon am nächsten Tag bei Sonnenschein ging die schnelle Truppe mit Erwin ganz forsch los gleich mit den ersten Blessuren in besonders engen Kurven, aber dann auf der frisch gespurten Bayernloipe begann die Lust an der Freude. Die Endorphine schufen beim Dahingleiten Glücksgefühl und Hochstimmung.

Die Liebste erzählte abends von ihren Versuchen mit Helmut, den Pflug und die ersten Abfahrten mit den langen und nicht beherrschbaren LL Ski zu proben, mit zunehmendem Erfolg und der Aussicht, bald mit der gemütlicheren Gruppe unterwegs zu sein.

Am nächsten Morgen wachten wir in einem Wintermärchen auf, viel Schnee und viel Sonne, eine phantastische Landschaft. Wir kurvten – immer dem Erwin folgend – durch Tiefschnee über die Skipiste, genossen Überschläge und Stürze wie Kinder, spurten ins Niemandsland auf der anderen Seite des Bachs, rund um den Haidel, zeitweise auch auf bzw. neben Bahngleisen. Erwin fand immer neue Wege, auch über Bäche und durchs Unterholz usw.

Spannend und interessant ist die frühere Geschichte des Salztransports über den „Goldenen Steig“, aber näher und beeindruckender die jüngste Geschichte über die Zerstörung der Grenzdörfer auf tschechischer Seite. Egons Berichte darüber füllten ganze Abende.

Und am Ende der Woche ein sattes und zufriedenes Wohlgefühl, wir werden es bestimmt nochmal erleben und genießen, nicht nur wegen des gut schmeckendem Budweisers in Krumlov.

Dank an Erwin, Ludwig und Helmut

Am wilden Arber. Skilanglauftour, Januar 2010

Mittwoch, 14. April 2010

<Bilder lassen sich mit Links-Klick vergrößern –>

Der Arber gab der Reise seinen Namen.

Er hat den höchstgelegenen Gipfel im gesamten Böhmerwald: 1456 m ü.NN.
Die Nordseite des Arbers ist gänzlich vereinnahmt durch den Massenbetrieb der Alpinskifahrer.
Aber im Westen (hier der Blick vom Kleinen Arbersee aus) und Süden ist er tatsächlich noch „wild“. Dort ist eine traumhafte Region für Wanderungen mit Langlaufski, sei es querfeldein (Kleiner Arber), sei es auf optimal gespurten Loipen (Bretterschachten).

Mindestens einmal kommen wir zu seinem Gipfel, immer leicht erkennbar an seinen zwei „Kugeltürmern“
ehemals militärischen Zwecken dienend,
heute ist der eine zwecklos,
der andere beherbergt eine meteorologische Station.



Blick vom Kleinen zum Grossen ArberAuch von ferne sind die Arbertürme immer noch leicht erkennbar.
Hier schauen wir zurück auf dem Weg über den kleinen Arber.  Rechts der viel fotografierte Nebengipfel, “Richard-Wagner-Kopf” genannt.

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