Samstag, 12. März 2011
Wolfgang startete schon gegen 5 Uhr, in Köln stieg Peter aus Köln(Peter 1) zu und bereits um 7 Uhr konnte auch Peter aus Groß-Gerau (Peter 2) zusteigen. Um 11 Uhr waren wir in Lam, wo Wolfgang und Peter 1 sich jeweils ein Paar Ski kauften. Nach dem Mittagessen beschlossen wir, gleich die Loipen am Bretterschachten auszuprobieren. So konnten wir bei herrlichem Sonnenschein die ersten Langlaufkilometer genießen. Gegen 18 Uhr waren wir dann in Spiegelau, wo nach dem Abendessen in einer Pizzeria die Vorstellungsrunde und die Planung der nächsten Tage anstanden.
Sonntag, 13. März 2011
Nach dem Frühstück fuhren wir – teilweise mit dem Bus, teilweise mit dem Auto – nach Wal
dhäuser, um dort den Aufstieg auf den Lusen, der für heute geplant war, zu beginnen.
Die ersten 200 m mussten wir die Skier tragen, dann konnten wir anschnallen und in der Loipe bis zur Martinsklause laufen, wo wir uns in 2 Gruppen aufteilten. Die Martinsklause ist eine für die Holztrift 1835 errichtete Wasserstauanlage. Sie wird, obwohl menschlicher Eingriff in den Wasserhaushalt, ausnahmsweise auch im Nationalpark als Kulturdenkmal erhalten.
Die erste Gruppe fuhr über den Winterweg hoch zum Lusenschutzhaus, während die andere Gruppe über
das Teufelsloch auf den Lusen gehen wollte. Der Weg ging zuerst über einen Ziehweg, danach auf schmalen Wanderpfaden zuerst vorbei am Teufelsloch, dann zur „Gläsernen Arche“.
Am Fuß des Lusen hat die Glasarche nach langer Reise ihren Hafen gefunden. Die Glasarche ist ein gewichtiges Zeichen für Frieden und Toleranz: fast fünf Meter lang, drei Tonnen schwer und zusammengesetzt aus 480 einzelnen Glasplatten. Es waren Glasschleifer und Glasmaler, die unter Federführung der Glaskünstler Ronald Fischer und Hubert Stern im Jahr 2003 die Glasarche erschaffen haben. Tschechische Bildhauer legten das Schiff in eine große Hand aus Holz. Drei Jahre lange reiste die gläserne Arche durch die bayerisch-böhmische Grenzregion.
Weiter bergauf ging es bis zur „Himmelsleiter“. Hier stellten wir die Ski ab und stiegen die letzten hundert Höhenmeter hoch zum Lusengipfel. Der Lusen (tschechisch Luzný) gehört mit seiner Höhe von 1373 Metern zu den höheren Bergen im Bayerischen Wald.
Er liegt im Nationalpark Bayerischer Wald dicht an der Grenze zu Tschechien. Die Aussicht war traumhaft, durch die Föhnwetterlage konnten wir die Alpen sehr deutlich sehen. Nach der Stärkung im Lusenschutzhaus gingen wir die Himmelsleiter, die bergab nun „Höllenleiter“ hieß hinunter zu den abgestellten Skiern und die Abfahrt führte uns zunächst wieder zur gläsernen Arche und weiter über Waldwege hinunter bis wir schließlich die Loipe wieder erreichten und die letzten 2 – 3 km bis Waldhäuser zu den Autos in der Spur laufen konnten.
Montag, 14. März 2011
Pünktlich um 9 Uhr stand der Bus mit den beiden Rangern, die uns heute über die Schachten führen sollten, vor dem Haus und wir wurden bis zu unserem Startpunkt, dem Trinkwasserspeicher Frauenau gefahren. Zuerst mussten wir einige Meter unsere Skier tragen, bevor wir dann wieder Schnee erreichten und anschnallen konnten. Stetig bergauf steigend erreichten wir einen Aussichtspunkt, von dem wir einen schönen Blick auf die Talsperre und den kleinen und großen Rachel hatten. Weiter bergauf ging es bis wir beim ersten der Schachten, dem „Verlorenen Schachten“ ankamen. Der verlorene Schachten ist das einzige Stück Land im Nationalpark, dass sich noch in Privatbesitz befindet. Er ist noch heute in ununterbrochenem Familienbesitz der “Freiherrn von Poschinger”. An den Verlorenen Schachten grenzt der sogenannte “Judenwald”. Der Besitzer des Waldes, dessen Fläche sich noch weit nach Böhmen erstreckt, soll ein “Jude” gewesen sein.
Am „Almschachten“ machten wir eine längere Pause und der Ranger Mario erklärte uns die Bedeutung der Schachten. Ähnlich den Almen der Alpen handelt es sich um baumfreie Waldwiesen. Diese freien Flächen mit einer Größe von einigen Hektar wurden von den Hirten als Übernachtungsplätze und für Pausen genutzt. Einzelne Bäume blieben auf den Wiesen erhalten, um schattige Ruheplätze für die Tiere zu bieten. Diese einzeln stehenden Bäume konnten sich ungehindert entfalten und sind oft schon uralt und von Wind und Wetter gezeichnet. Besonders faszinierend sind diese Lichtungen, weil sie in dem riesigen Waldgebiet die einzigen Freiflächen sind und oft einen guten Ausblick bieten. Die Schachten wurden bis in die 1990er Jahre beweidet. Heute werden diese Flächen in Erinnerung an die vergangene Lebensweise erhalten.
Nun ging es eben weiter zum Hochschachten und von dort machten wir einen Abstecher zum Latschensee. Der Latschensee ist ein abflussloser Hochmoorsee.Der Name leitet sich von der umgebenden Baumflora ab, die neben Latschen aber auch Moorfichten aufweist. Er ist 45 Meter lang (Nord-Süd) und bis zu 35 Meter breit. Trotz einer Fläche von nur 0,1 ha ist er der größte Moorsee des Bayerischen Waldes (der größte Moorsee auf der tschechischen Seite der Grenze, im Hochmoor Chalupská slať oder Großer Königsfilz bei Borová Lada, ist dagegen mit 1,3 Hektar wesentlich größer). Der Latschensee liegt mitten im Latschenfilz einem Hochmoor 390 Meter westlich der Grenze zur Tschechischen Republik und 350 Meter nördlich des Hochschachtens in einer Höhe von etwa 1150 Metern.
Nach dem Kohlschachten, dem letzten, den wir heute sahen ging es etwas abenteuerlich durch den Wald hinunter bis zur Hirschbachschwelle und dann einen ziemlich steilen Waldweg hinunter nach Buchenau, wo wir uns im Gasthof zum Latschensee stärken konnten.
Abends wurden wir von Hilde, einer Freundin der Wirtin Lilo durch Zitherspiel, Gesang und Geschichten unterhalten.
Dienstag, 15. März 2011
Heute fuhren wir alle zu den schneesicheren Loipen am Bretterschachten. Eine Gruppe entschied sich, nur Loipen zu fahren, während wir nach einigen Kilometern die Loipen verließen und durch das Gelände hoch zum Mittagsplatzl stiegen. Das 1340 Meter hohe Mittagsplatzl ist ein Berg und Aussichtspunkt im Bayerischen Wald direkt südlich des Großen Arbers und hoch über dem Großen Arbersee. Wer diese hoch gelegene Wiese, die früher als Almweide genutzt wurde, betritt, wird vielleicht zunächst enttäuscht sein. Doch folgt man dem Wegweiser einige Meter nach Osten zur Felsenkante, wird plötzlich der herrliche Blick auf den Großen Arbersee, in den Böhmerwald und zum Großen Falkenstein im Nationalpark Bayerischer Wald frei.
Von manchen Bayerwaldkennern wie Friedl Thorward wird das Mittagsplatzl als schönstes Fleckerl im ganzen Woid bezeichnet. Wir genossen die Aussicht und querten dann weiter hinüber Richtung Kleiner Arber. Kurz vor der Chamer Hütte erreichten wir die Loipe wieder.
Die Rast auf der Chamer Hütte und das anschließende Sonnenbad auf dem Balkon waren genial, aber dann weckten Beate und Wolfgang unseren Ehrgeiz, in dem sie erzählten, dass der Aufstieg auf den Großen Arber relativ einfach und auch die Abfahrt gut zu fahren ist.
So machten wir uns auf zum Großen Arber, mit 1.455 m ü. NN der höchste Berg des Bayerischen Waldes.auch „König des Bayerischen Waldes“ genannt.
Bei herrlichem Sonnenschein hatten wir einen grandiosen Rundblick. Die Abfahrt war wirklich gut zu fahren und auf der Loipe ging es zurück zum Bretterschachten.
Zurück in Spiegelau wurde das Gepäck eingeladen und wir fuhren zu unserem nächsten Quartier in Mauth.
Mittwoch, 16. März 2011
Mit den Autos fuhren wir nach Finsterau und liefen dann Richtung Grenze. Um einen langen Aufstieg zu vermeiden verließen wir die Loipe und überschritten die Grenze über einen Bach und erreichten dann das was von den Loipen noch da war auf der tschechischen Seite. Obwohl wir den Schnee immer wieder suchen mußten, war abschnallen nur sehr selten nötig. Schließlich waren wir in Kníšecí Plánì (Fürstenhut), 1020 m. Häuser stehen hier keine mehr, die Kirche ist ein Schutthaufen, auf dem inzwischen Bäume wachsen, die Fluren sind verbuscht – nur der Friedhof ist noch da, Gräber, wo sonst weit und breit nur Landschaft ist. Die Siedlung Fürstenhut lag im Böhmischen in unmittelbarer Grenznähe. Um das Jahr 1792 hatten sich hier auf einer Hochfläche, der „Schöneben“ im Zuge von Ortsgründungen des Fürsten Schwarzenberg Holzhauerfamilien aus naher und ferner Umgebung angesiedelt. Die entstandene Streusiedlung, Hutweide und eine Steinkirche formten schließlich ein Gemeinwesen, das mit der Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung 1946 und der Einebnung des Dorfes samt Kirche und Friedhof 1956 ein trauriges Ende fand.
Die Fluren wurden sich selbst überlassen und die Natur konnte dabei ihr früheres Terrain teilweise wieder zurückerobern. Erst 1989 wurden die Weiden wieder genutzt. 1991 kam die Grenzöffnung, der Nationalpark Sumava wurde proklamiert, das Areal erhielt Naturschutzstatus und auch die ehemalige Dorfstelle von Fürstenhut wurde wieder zugänglich. 1992 erhielten die ehemaligen Bewohner von Fürstenhut die Erlaubnis, die niedergewalzten Grabsteine wieder aufzurichten.
Nach der Mittagsrast im Gasthaus von Fürstenhut beschloss eine Gruppe doch noch zur Moldauquelle zu laufen, während wir gemütlich hoch nach Bucina (Buchwald), 1162 m, dem Ort mit den größten Niederschlagsmengen im Böhmerwald, jährlich 1.600 mm. Hier hat man eine der schönsten Aussichten auf den südlichen Böhmerwald und Bayern, bei klarem Wetter sind die Alpen zu sehen. Ehemals die höchstgelegene Gemeinde im Böhmerwald, gegründet in der Mitte des 18. Jh. an der Verbindungsstraße von Kvilda (Außergefild) nach Finsterau.
Damals gab es hier einen Grenzübergang und ein Zollamt, etwa 400 Deutsche lebten in der Ortschaft. Nach dem Krieg wurden sie ausgesiedelt und die Gemeinde erlosch. Heute sind neben dem neu errichteten Hotel einige Grenzanlagen aus der Zeit des Eisernen Vorhangs als Erinnerung und Mahnung zu sehen.
Wieder über der Grenze gingen wir querfeldein und abenteuerlich hoch Richtung Siebensteinkopf, dann quer durch den Wald und wieder hinunter zur „Loipe“ zurück zum Parkplatz in Finsterau.
Von dort fuhren wir mit dem Auto in das Gasthaus im Freilichtmuseum, wo nach und nach alle Gruppen eintrafen.
Die Planung für morgen gestaltet sich schwierig, da schlechtes Wetter mit Regen angesagt war. Letztendlich entschieden sich einige für Krumau, einige für das Nationalparkinformationszentrum Lusen mit Hans-Eisenmann-Haus und Baumwipfelpfad und einige unentwegte für eine Tour von Finsterau über den Lusen nach Waldhäuser.
Donnerstag, 17. März 2011
Wolfgang fuhr uns unentwegte nach Finsterau zum Einstieg in die nicht mehr vorhandene Loipe. Einige hundert Meter mussten wir die Ski erst mal tragen, aber dann konnten wir doch anschnallen und noch ein Stück Loipe laufen, bevor wir Richtung Lusen auf einen schmalen Wanderpfad abbogen. Nun ging es bergauf und wider Erwarten war genug Schnee da und wir mussten nicht mehr abschnallen. Leider fing es doch leicht zu regnen an.
Eine Überquerung des Kleinen Schwarzbaches über mehrere Steine musste natürlich ausgiebig fotografiert und gefilmt werden.
Den steilen Aufstieg zum Lusen sparten wir uns und liefen entlang der Grenze bis wir auf den Weg zur gläsernen Arche stießen. In der Zwischenzeit war der Regen immer stärker geworden
und als wir in der Hütte an der gläsernen Arche Rast machten, trommelte es richtig auf das Dach.
Die Abfahrt kannten wir zum großen Teil vom Sonntag und als wir den oberen Parkplatz von Waldhäuser erreicht hatten waren wir sehr froh, als wir Erwins Auto dort stehen sahen, da wir bis auf die Haut nass waren.
Heute fuhren wir in unser nächstes Quartier in Bischofsreut.
Freitag, 18. März 2011
In der Nacht hatte es – wie von Erwin angekündigt – ganz schön geschneit und wir fuhren mit den Autos zum Parkplatz am Dreisessel, konnten sofort anschnallen und zum Dreisesselfels hochlaufen. Das Dreisesselgebiet ist das Grenzgebirge im Dreiländereck von Bayern (Bayerischer Wald), Österreich (Mühlviertel) und Tschechien (Böhmerwald). Wo diese Länder aneinander stoßen, erhebt sich der Dreisessel, der mit Leben und Werk des Dichters Adalbert Stifter untrennbar verbunden ist. In alten Urkunden wird der Dreisessel als “Hennhardtsberg” (Hühnerhabichtsberg) erwähnt.
Eindrucksvoll erheben sich die etwa 20 m hohen, übereinandergetürmten Dreisesselfelsen, die über eine steile steinerne Treppe zu erreichen sind. Oben findet man drei steinerne Sitzmulden. Wie, wann und warum die drei steinernen “Sessel” entstanden, ist völlig unbekannt.
Der Sage nach saßen vor langer Zeit die Könige der drei Länder auf dem Dreisesselfelsen und stritten um die Grenzen ihrer Länder. Erst im 19. Jahrhundert gewann der Berg an Bedeutung und wurde bekannt – wohl durch die Erzählungen und Romane Stifters. Seine Schilderungen der in sich ruhenden, weltentrückten Landschaft mit ihrem alles bestimmenden Waldwesen brachten dem Dreisessel klassischen Ruhm.
Natürlich mussten die drei Sessel ausprobiert werden und es konnte endlich die Winterlandschaft bewundert werden. Bei Schneetreiben liefen wir im tiefen Neuschnee (15 – 20 cm) entlang der Grenze zum Dreiländereck, dem Punkt an dem die Grenzen von Tschechien, Österreich und Deutschland aufeinandertreffen.
Weiter ging es hoch zum Plöckenstein (tschechisch Plechý) 1.378 m Der Berg ist nicht nur die höchste Erhebung des österreichischen Böhmerwaldes, sondern auch die höchste des Mühlviertels in Oberösterreich sowie Südböhmens. Er liegt südwestlich des großen Moldaustausee (Tschechien) und ist bekannt durch die Erzählungen von Adalbert Stifter. Die Staatsgrenze verläuft genau über den Gipfel. Da es hier sehr stark wehte hielten wir uns nicht lange auf und liefen zurück zum Berggasthof Dreisessel, wo wir uns aufwärmten und es uns schmecken ließen.
Nach dem Abendessen sahen wir eine kleine Auswahl von Bildern, die Peter zusammengestellt hatte und es mussten alle aufbleiben, da wir um Mitternacht mit Sekt auf Wolfgangs Geburtstag anstießen.
Eine ereignisreiche und trotz Schneemangels schöne Langlaufwoche war zu Ende gegangen.


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