Archiv für die Kategorie „Radreisen“

Velo Sumava

Montag, 10. Januar 2011

Samstag, 04. September 2010 Start Velo-Tour Böhmerwald

Lockerer Treff mit den BmB-Leuten, mehr oder weniger alles die Altersklasse der typischen Erben, also ca. 58 Jahre. Fahrt mit Waldbahn nach Spicak. Erste Auffälligkeit in CZ mal wieder die bunten Blechdächer. Dann mit Fahrradbus zum ersten Hotel in Srni. Erwin berichtet, dass keine Velo-Reservierungen gemacht werden, weil ohnehin niemand dieses Angebot nutze – vgl. die Erfahrungen der folgenden Tage.

Auf der langen Busfahrt in meist ca. 800 m Höhe viele feuchte Wiesen („Filzen“?). An den extrem schwach befahrenen Straßen neue Radwege mit opulenten Brücken über jede Pissrinne und Schilderwald.

Wir bleiben in dem mitteleinfachen Hotel „Vydra“ für 4 Nächte. Ein  Teil der Gruppe macht im mittlerweile heiteren  Wetter eine Velo- Kurztour. Wegen des guten Büchsenlichts nutze ich die Zeit bis zum Abendessen zu einem Foto-Spaziergang. Wenige Meter nördlich vom Hotel ein See auf einem Sattel – was soll das? Tatsächlich ein derzeit leeres Speicherbecken für das etwa 200 Höhenmeter unterhalb liegende Elektro-Kraftwerk an der Vydra. Sachliche Info-Tafel mit Hinweis auf die Verdienste der Sudetendeutschen, nur das Wort „Vertreibung“ fehlt. Entweder Wald oder Wiese, zur Zeit kaum Rindviecher zu sehen – bereits zurück ins Tal? Stillgelegter Bauernhof mit Stall.

Abendessen und schließlich kurze Vorstellungsrunde mit Infos für den nächsten Tag. Gegen 23 Uhr sind auch die letzten von uns im Bett.

Radtour im Grenzland des Böhmerwaldes vom 25.09.2010 bis 02.10.2010

Samstag, 13. November 2010

 

Samstag, 25. September 2010

In Bayrisch Eisenstein, dem ersten Treffpunkt, stiegen Karl-Hermann und Peter in den Zug, in dem sich bereits Hannelore, Renate, Marion, Heinz und Fritz befanden, um noch bis Spicak zu fahren. Von Spicak fuhren wir mit dem grünen Bus (mit Fahrradanhänger) nach Srni und dann in ca. 5 Minuten zum Hotel Vydra. Nachdem wir das Gepäck aufs Zimmer gebracht hatten, trafen wir uns um 17 Uhr zu einer ersten kleinen Fahrradrunde um Srni, allerdings bei strömendem Regen. Nach dem Abendessen gab es eine Vorstellungsrunde und Wolf-Dieter las etwas von Karel Klostermann vor. Erwin erläuterte die Planung für Morgen, wegen der schlechten Wetterprognose soll die Tour gefahren werden, welche eigentlich für Dienstag vorgesehen war.

Sonntag, 26. September 2010

Es regnete leicht, als wir kurz nach 9 Uhr losfuhren. Geplant war die Strecke Srni – Stodulky – Dobra Voda – Hartmanice – Otava – Annin -Srni. Das Wetter sah anfangs nicht so gut aus, da beschlossen einige, mit dem Auto zu fahren. Nachdem am Sonntag die grünen Busse nicht fahren, sollten einige Autos in Cenkova Pila abgestellt werden, um den letzten Anstieg über Serpentinen nach Srni zu vermeiden. Zuerst fuhren wir ein Stück Straße, die wir bald verließen und auf einem Waldweg steil bergab fuhren. Kaum war der Wald zu Ende, sahen wir auch schon die „Wand“ vor uns – den steilen Aufstieg nach Stodulky/Stadln. Bis auf Erwin (mit Elektrofahrrad) und Wolfgang stiegen alle früher oder später ab, um zu schieben. Stodulky war ein Dorf mit besonderen Privilegien, es war ein sogenanntes „Künisches Freigericht“, wie einige andere Gemeinden in der Gegend auch. Für die Dienste der Grenzverteidigung zu Bayern durften sich die Künischen Gemeinden so z.B. selbst verwalten. Die bekannte Maxime von damals ist: „Niemands Herr und niemands Knecht, das ist Künisch Bauernrecht !“ Außerdem war es der flächenmäßig größte Ort nach Prag. Heute ist außer Erinnerungstafeln nichts mehr zu sehen. Die Armee erklärte 1948 die schwach besiedelte Gegend zum militärischen Sperrgebiet und errichtete den Truppenübungsplatz Dobrá Voda. Es entstanden Bahnen für Schützenpanzer und Panzerschießplätze. Die umliegenden Dörfer wurden zu Artilleriezielen und auf diese Weise dem Erdboden gleich gemacht. Heute warnen Tafel vor Blindgängern, man kann die Wege nicht verlassen.

Unser nächstes Ziel war weiter bergauf nach Dobrá Voda (Gutwasser). Ihren Namen bekam es aufgrund der Entdeckung einer Heilquelle. Beim Quellbrunnen wurde eine kleine Kapelle errichtet, die später zur Ehre des heiligen Gunthers durch eine Kirche ersetzt wurde. Dobrá Voda wurde zum Wallfahrtsort. Fast vier Jahrzehnte wurde diese Ortschaft zum Bestandteil und zugleich zum Verwaltungszentrum umfangreicher Anlagen, die der Militärschulung dienten. Die Wallfahrtskirche diente als Waffenlager. Wir besichtigten den Friedhof und den Quellbrunnen. Nachdem auch die Autofahrer eingetroffen waren konnten wir die Wallfahrtskirche anschauen. Weil vom ursprünglichen Inventar der Kirche sehr wenig erhalten blieb, hat die bildende Künstlerin Vladimíra Tesařová, die in Dobrá Voda ein zweites Zuhause gefunden hatte, vorgeschlagen, einen Glasaltar zu schaffen. Das Altarbild ist ein dreiteiliges Relief in Größe von 4,5 x 3,2 m. Der Altar ist in Form einer gläsernen Schmelzplastik aus der Kompositionsglasmasse gefertigt. Durch seine Größe und sein Gewicht von vier Tonnen ist dieses Werk einzigartig. Im Jahr 2003 ergänzte Vladimíra Tesařová den Altar noch mit dem Kreuzweg. Nun fuhren wir die Straße 3 km bergab nach Hartmanice, hier konnten wir in einem urigen kleinen Gasthof unseren Hunger stillen. Die von vielen bestellte Knoblauchsuppe hatte es in sich. Nachdem der Hunger und Durst gestillt waren, gab es wieder Kultur.

Seit Mai 2006 haben Touristen im Böhmerwald ein neues Ausflugsziel: Nach dreijährigem Umbau ist es dank einer Bürgerinitiative gelungen, in Hartmanice die einmalige jüdische Bergsynagoge wieder zu öffnen, in der man nun eine Ausstellung über das Zusammenleben von Tschechen, Deutschen und Juden im Böhmerwald besuchen kann. Das tschechisch-deutsche Grenzgebiet ist ein Raum, in dem Deutsche, Tschechen und Juden Jahrhunderte lang zusammengelebt haben. Im Gebiet von Šumava und Český les gab es mehr als sechzig Synagogen und jüdische Gebetshäuser. Die meisten wurden in der Nazizeit oder später während des kommunistischen Regimes zerstört. Eines der wenigen Gebäude, die diese dunklen Jahre der beiden totalitären Regime überstanden haben, ist das Gebäude der ehemaligen Synagoge in der kleinen Böhmerwaldstadt Hartmanice. In der Synagoge, die vor ihrer Renovierung in einem desolaten Zustand war, ist nun die Ausstellung über das Zusammenleben von Tschechen, Deutschen und Juden im Böhmerwald zu sehen. Ergänzt wird diese Ausstellung von der Ausstellung alter Fotografien des Böhmerwaldes aus der Sammlung von Pavel Scheufler, Doppelfotografien der Böhmerwalddörfer, die das kommunistische Regime liquidiert hat sowie Unterlagen zur Geschichte der Bergsynagoge in Hartmanice.

Weiter ging unsere Fahrt hinunter ins Tal der Otava, das wir bei Annin erreichten und entlang der Otava bis Rejštejn (Unterreichenstein), 568 m, Das Städtchen liegt im Tal der Otava am Zusammenfluss mit der Losenice (Losnitzbach). Das durch Goldwäsche im Bach und aus den Gruben der Umgebung gewonnene Gold verhalf dem Ort zu frühem Reichtum und Blüte. 1584 wurde die bis dahin zu Kašperské Hory gehörende Siedlung zur eigenständigen Bergstadt erhoben. Im 17. Jh, nach dem 30-jährigen Krieg, verlor der Goldbergbau an Bedeutung und man verlegte sich auf die Glasherstellung. Die 1836 gegründete Glashütte Klášterský Mlýn war von 1878 – 1908 im Raum Österreich-Ungarn für die Produktion von Farbglas die bedeutendste und erlangte mit ihrem Jugendstilglas ab 1900 auf internationalen Ausstellungen weltweite Bedeutung. Von der bis 1947 betriebenen Glashütte blieb nur die sehenswerte, mit Irisglas ausgestattete, des Besitzers Max Spaun erhalten, die allerdings, wie uns Erwin zeigte sehr verwahrlost ist.

Cenkova pila (Vinzenzsäge), 670 m wurde nach ihrem Gründer benannt, dem Prager Holzgroßhändler Vinzenz Bubeniček, der sie nach einem Windbruch in den Jahren 1863-70 erbaute. Bereits 1867 inspirierte das betörende Rauschen des Flusses den tschechischen Komponisten Bedřich Smetana während seines Aufenthalts in Čeňkova pila (Vinzenzsäge) zu seiner symphonischen Dichtung „Die Moldau“ (Vltava). Als Gäste des Sägewerkerrichters, des Prager Holzhändlers Čeněk (Vinzenz) Bubeníček, pflanzten dort Smetana und seine Freunde Fichten, aus denen später mächtige Bäume wurden. Am Zusammenfluss von Vydra (Widra) und Køemelná (Kieslingbach), ab hier Otava genannt, steht ein Wasserkraftwerk aus dem Jahr 1936, das heute als technisches Denkmal. geschützt ist. Nun wurden die Fahrräder auf die Autos geladen, nur Michaele, Daphne, Gabi, Wolfgang, Hans und Peter wollten es wissen und fuhren nach einer kurzen Kaffeepause die Serpentinen hoch nach Srni.

Der Tag endete wie immer mit einer Lesung und Planung des nächsten Tages. Außerdem hatte Erwin den Büchertisch aufgebaut.

Montag, 27. September 2010

Als wir um kurz nach 9 Uhr an der Bushaltestelle ankamen, waren wir noch guten Mutes, aber als der Bus ankam, war er stark besetzt und wir hätten nicht alle unserer Fahrräder untergebracht. Also musste umgeplant werden und wir fuhren hoch zum Vchynicko- Tetovský plavebný kanál (Chinitz-Tettau-Schwemmkanal). In den Jahren 1799-1800 entstand unter der Leitung des für die Schwarzenberger arbeitenden Ingenieurs Josef Rosenauer ein für die damalige Zeit beachtliches technisches Bauwerk. Der 14 km lange Kanal diente der Holztrift aus den Böhmerwaldhochlagen um Modrava bis in die obere Otava und wurde angelegt, um die steinige und wilde Strecke der Vydra zwischen Cenkova pila und Antýgl zu umgehen. Er beginnt unterhalb von Modrava und mündet nordwestlich von Srní in die Køemelná (Kieslingbach). Das Flussbett ist bis zu 5 m breit, etliche der den Kanal überquerenden gemauerten Steinbrücken blieben erhalten. Bis 1952 wurde hier Holz getriftet, noch heute treibt er das Wasserkraftwerk bei Cenkova pila an. Diesen fuhren wir nun entlang bis zum Anfang unterhalb von Modrava. Fritz hatte Pech, denn seine Schaltung ging kaputt und blockierte das Hinterrad, so dass er nicht weiterfahren konnte. In Modrava tranken wir Kaffee und warteten auf die Leute, die versucht hatten, Fritz zu helfen.

Von hier aus fuhren wir das Lusenbachtal langsam ansteigend hoch zum Brezník (Pürstling), 1133 m, einer inzwischen nicht mehr bewohnte Einöde (Einzelhof, Heger- und Jägerhaus) in wunderschöner Lage am Lusenbach unterhalb des Lusengipfels, 7 km südlich von Modrava. Pürstling ist einer der kältesten und der niederschlagsreichste Ort im Böhmerwald (Jahresmittel: 1500 mm). Karel Klostermann verwendete ihn als Schauplatz für seinen Roman ‚In der Welt der Waldeinsamkeiten‘. Der seit dem Mittelalter als Handelsverbindung zwischen Bayern und Böhmen dienende Böhmweg führte hier vorbei, heute ist jedoch eine Besteigung des Lusen von der tschechischen Seite nicht mehr möglich, an dieser Stelle ist der Grenzübergang verboten. Der Rundblick war herrlich und durch die vielen kaputten Bäume (Borkenkäfer) noch interessanter. Nachdem uns Erwin alles wissenswerte erzählt hatte fuhren wir gemütlich (7km immer bergab) zurück nach Modrava und kehrten dort ein. Der Heimweg führte uns zuerst durch das Rachelbachtal, dem wohl schönsten Bachtal im Böhmerwald. Dort erklärte uns Erwin mit Hilfe unserer Helme die Flüsse und Bäche im Böhmerwald. Unterwegs machten wir noch einen Abstecher zum Tøíjezerní slat‘ (Dreiseenmoor), 1066 m. Das 19 ha große Moorgebiet mit seinen drei kleinen Seen ist durch einen Holzbohlenweg erschlossen, an dem ein Lehrpfad Fauna und Flora des Moores erläutert. Das feuchtkalte Klima in den Hochlagen des Maderplateaus ließ hier zahlreiche Hochmoore entstehen, ein in ganz Mitteleuropa einzigartiges Moorgebiet. Dann erreichten wir wieder den Tettauer Kanal, und fuhren zurück nach Srni. Wir waren uns alle einig, dass die Tour durch den ausgefallenen Bus sogar noch schöner war. Heute waren sehr viele Leute unterwegs, auch im Hotel beim Abendessen, so dass wir uns fragten warum. Es stellte sich heraus, dass heute ein Brückentag war, da am 28. September in Tschechien der St. Wenzel-Tag begangen wird, als der so genannte „Tag der tschechischen Staatlichkeit“ seit kurzem sogar ein Staatsfeiertag.

Dienstag, 28. September 2010

Heute regnete es ganz schön, als wir uns trafen, um zur Bushaltestelle zu fahren. Hier stellten wir fest, dass der Bus heute nicht fährt, obwohl es im Fahrplan anders steht. Also wurde beratschlagt, was wir dann heute machen. Der Vorschlag, in 2 ½ Stunden mit den Autos nach Cenkova Pila zu fahren, und durch die Vydra-Schlucht zu wandern fand allgemein Zustimmung. Wolfgang wollte bis dahin eine Runde mit dem Fahrrad fahren, ihm schlossen sich Fritz, Hans und Peter an. Wir fuhren nach Antygl und schauten uns dort das kleine Museum zum Schwemmkanal an. Über den Schwemmkanal ging es dann zurück nach Srni. Um ½ 12 Uhr fuhren die Autos los. Wolfgang, Erwin, Hans und Peter fuhren mit dem Fahrrad, sie sollten dann den Fahrdienst organisieren. Die Fahrt die Straße hinunter, die wir am Sonntag mühsam hochgekrochen waren, war eine Wonne. Auf dem Wanderweg, auf dem Fahrradfahren eigentlich verboten ist, fuhren wir langsam bergauf zur Turnerhütte, einem urigen Gasthof in der Mitte der Vydra-Schlucht. Die Wanderer wollten nicht nur bis zum Ende der Vydra-Schlucht, sondern weiter über den Hammerbach nach Horská Kvilda (Innergefild), 1035 m laufen. So hatten die Radfahrer noch genügend Zeit, auch die Vydra-Schlucht hoch zu fahren und weiter über Srni nach Cenkova Pila zu den Autos zu kommen. Als die Radfahrer mit den Autos in Horská Kvilda (Innergefild), 1035 m ankamen, saßen die Wanderer schon im Gasthof. Auf der Rückfahrt machten wir noch einen Abstecher weiter zum Drachenfelsen bei Zwoischen (Svojse), tief im Wald, von hier weite Blicke in das Tal der Otava. Passend dazu las Erwin sein Lieblingsgedicht von Georg Britting „ Der böhmische Wald“ vor. Auch heute waren alle trotz des Regens sehr zufrieden mit dem Tagesverlauf.

Mittwoch, 29. September 2010

Es hatte die ganze Nacht geschüttet und es regnete immer noch, als wir aufstanden, aber beim Frühstück wurde es heller, und als wir uns fertig machten, regnete es nicht mehr. Da heute Quartierwechsel war, mussten auch die Autos bewegt werden. Aber nicht für alle Fahrräder war Platz war, so sollten einige mit dem Bus nach Filipova Hut (Philippshütten), 1080 m fahren, aber auch heute fuhr der Bus nicht, so dass Gabi, Daphne, Michaele, Wolf-Dieter, Wolfgang und Peter mit dem Fahrrad losfuhren. Bis Modrava fuhren wir die gleiche Strecke wie am Montag. Dort wurden wir mit 2 Autos abgeholt und nach Philippshütten hochgefahren, um einige Höhenmeter zu sparen. Hier tauschten Hans und Michaele die Rollen und Hans fuhr mit uns mit dem Fahrrad weiter. Zuerst Richtung Pürstling sehr hügelig und dann links ab hinauf Richtung Schwarzenberg (1315 m) ging unsere Fahrt und wir waren froh, als wir den höchsten Punkt bei ca. 1250 m erreicht hatten. Die Fernsicht war zwar nicht besonders gut, aber auch die nähere Umgebung war beeindruckend. Nun ging es bergab bis zur Moldauquelle, 1172 m. Wir trafen auf den Rest der Gruppe, die von Kvilda (Außergefild), 1065 m, hochgefahren waren. Etwa 6 km südlich von Kvilda, dicht an der Staatsgrenze, am Hang des Berges Cerná Hora liegt die Quelle der Warmen Moldau (teplá vltava) inmitten eines Moorgebietes, das unter Naturschutz steht. Erst seit der Grenzöffnung ist die Quelle wieder zugänglich. Hier verläuft die Wasserscheide zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer.

Gemeinsam fuhren wir nach Kvilda und dann auf der Straße bis zum Chalupská slat‘ (Großer Königsfilz), 878 – 920 m. Das Hochmoor liegt im Tal der Oberen Moldau bei Svinná Lada (Nationalpark- Infostelle) in der Nähe von Borová Lada (Ferchenhaid). Ein Teil des Moores wurde durch Torfabbau im 19. Jh. zerstört. Man findet hier Moorkiefern, Sonnentau und andere seltene Pflanzen. Bekannt ist der Königsfilz vor allem durch den größten Moorsee Böhmens (1,3 ha) mit seinen schwimmenden Inselchen. Die Birke auf einer schwimmenden Insel ist der wohl meistfotografierte Baum des Böhmerwaldes. Nun wollten wir in Borova Lada, wo auch die Autos in der Zwischenzeit standen zur Mittagspause in den Gasthof, leider hatten beide Gasthöfe geschlossen. So fuhren wir mit den Autos zurück Richtung Kvilda, – unterwegs an der Tür eines Gasthofes ein Schild „Otevřít“ , leider auch geschlossen – erst in Kvilda konnten wir einkehren. Zurück in Borova Lada bei den Fahrrädern starteten wir hoch in Richtung Kníšecí Plánì (Fürstenhut), 1020 m Häuser stehen hier keine mehr, die Kirche ist ein Schutthaufen, auf dem inzwischen Bäume wachsen, die Fluren sind verbuscht – nur der Friedhof ist noch da, Gräber, wo sonst weit und breit nur Landschaft ist. Die Siedlung Fürstenhut lag im Böhmischen in unmittelbarer Grenznähe. Um das Jahr 1792 hatten sich hier auf einer Hochfläche, der „Schöneben“ im Zuge von Ortsgründungen des Fürsten Schwarzenberg Holzhauerfamilien aus naher und ferner Umgebung angesiedelt. Die entstandene Streusiedlung, Hutweide und eine Steinkirche formten schließlich ein Gemeinwesen, das mit der Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung 1946 und der Einebnung des Dorfes samt Kirche und Friedhof 1956 ein trauriges Ende fand. Die Fluren wurden sich selbst überlassen und die Natur konnte dabei ihr früheres Terrain teilweise wieder zurückerobern. Erst 1989 wurden die Weiden wieder genutzt. 1991 kam die Grenzöffnung, der Nationalpark Sumava wurde proklamiert, das Areal erhielt Naturschutzstatus und auch die ehemalige Dorfstelle von Fürstenhut wurde wieder zugänglich. 1992 erhielten die ehemaligen Bewohner von Fürstenhut die Erlaubnis, die niedergewalzten Grabsteine wieder aufzurichten.

Gabi, Daphne, Michaele, Wolf-Dieter, Wolfgang, Hans und Peter fuhren nach einem Kaffee hinunter nach Strážný (Kuschwarda), 835m, und weiter über sumpfige Wiesen und einen Bach nach Schnellenzipf. Dort tranken wir noch ein Bier und konnten bei inzwischen strahlendem Sonnenschein sogar Hirsche beobachten. Nun fuhren wir hinunter nach Bischofsreut-Marchhäuser und dann ging es steil bergauf zum Matthiasl. Es gab noch etwas Verwirrung, da Wolfgang , Wolf-Dieter und Daphne links abbogen der Rest aber weiter die Straße hochschob.

Die andere Gruppe war von Fürstenhut zurück nach Borova Lada und dann mit den Autos nach Bischofsreut gefahren.

Donnerstag, 30. September 2010

Kurz nach 9 Uhr starteten wir direkt vom Quartier und fuhren nach Haidmühle, über die Grenze nach Nové Údolí (Neuthal) und dann entlang der kalten Moldau nach Stožec (Tusset), 780 m und Cerny Kriz. Kurz dahinter vereinigen sich die kalte und die warme Moldau zur Moldau.. Es war eine schöne, gemütliche Fahrt, leicht bergab durch die Moldauauen bis nach Nová Pec (Neuofen), 737 m. Der heutige Erholungsort am westlichen Ende des Lipno-Stausees entstand im 18. Jh als Holzfällersiedlung. Von der Brücke konnten wir den Stausee gut einsehen. Nun mussten wir wieder bergauf zum Schwarzenberger Schwemmkanal fahren, den wir in Jeleni(Hirschwalden) 861 m erreichten. Dort schauten wir uns ein kleines Museum an, das ein interessantes Relief der Gegend mit dem Schwarzenberger Schwemmkanal hatte. In Jeleni spielt die Geschichte über den Streit der Links- und Rechtsbächler von Johannes Urzidil, die heute. Abend vorgelesen wird. Jetzt ging es wieder fast eben dem Schwemmkanal entlang bis Hintergöcklberg mit eindrücklicher Kirche und Friedhof. Pünktlich 1430 Uhr erreichten wir den Blauen Hirsch, der bereits in Österreich liegt. Es war so schön, dass wir draußen sitzen konnten. Der Wirt erzählte etwas von seinem bewegten Leben und der inneren Ruhe, die er hier in der Einsamkeit gefunden hat. Die Rückfahrt ging bergab zur Fähre nach Horni Plana (Oberplan), dem Geburtsort von Adalbert Stifter und dann mit der Bahn zurück nach Nove Udoli. Der Fahrradwaggon war von Erwin extra bestellt worden und es hat hervorragend geklappt.

Wolfgang und Peter fuhren nicht mit hinunter, sondern fuhren entlang des Schwarzenberger Schwemmkanal zurück. Unterwegs sahen wir kurz hinter Jeleni die beiden Tore des fast 400 m langen Tunnels der ab 1821 durch einen Berg gebohrt wurde, um die Strecke zu kürzen. Außerdem sahen wir noch eine Goldwäscherrutsche und das Rosenauer-Denkmal. Als wir in Nove Udoli ankamen, war die andere Gruppe gerade angekommen und noch beim Aufladen der Fahrräder.

Freitag, 1. Oktober 2010

Wie immer starteten wir auch die letzte Fahrradtour kurz nach 9 Uhr steil hinunter nach Bischofsreut-Marchhäuser zum grünen Grenzübergang. Nun ging es wieder anfangs steil, später gemächlicher hinauf nach Böhmisch-Röhren. Dieses Pfarrdorf ist eine Gründung aus der Blütezeit des Goldenen Steiges. Hier tränkten die Säumer ihre Pferde und so entstand der Name des Ortes. Natürlich wurde auch hier wieder der Friedhof besichtigt und dann ging es die Straße bergab bis an die Moldau, in einer Moldauschleife liegt ein großer Campingplatz. Dann ging es weiter nach Lenora, wo Egon Urmann am Zusammenfluss der Grasigen Moldau mit der Warmen Moldau schon auf uns wartete, um uns in die Geheimnisse des Goldwaschens einzuweihen. Egons Frau hatte 2 Bleche mit Kolatschen gebacken, die wir uns gut schmecken ließen. Nach einem Glühwein zeigte uns Egon auch noch seine Bienenzucht und wir hatten die Gelegenheit uns Honig zu kaufen.

Unser nächstes Ziel war das Hospoda u Němečka oder Gasthaus zum Deutschen in Dobra Guthausen. In diesem urigen Gasthaus ließen wir uns Bier und Essen schmecken. Gabi, Hans, Wolf-Dieter, Wolfgang und Peter wollten zur Tussetkapelle hochfahren, während der Rest mit Erwin durch das Niemandsland zurück fuhr. Unterhalb der Tussetkapelle ließen wir die Fahrräder stehen und mussten die letzten paar hundert Meter zur Kapelle zu Fuß gehen. Im Naturschutzgebiet beim Stožecfelsen befindet sich die hölzerne, 1791 im pseudogotischen Stil über einer angeblich heilkräftigen Quelle errichtete und der Jungfrau Maria geweihte Tussetkapelle, die auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken kann. Einst ein bedeutender Wallfahrtsort für bayerische und böhmische Gläubige, zu der drei Kreuzwege hinauf führten, verfiel die sagenumwobene Kapelle unter der kommunistischen Regierung bis auf die Vorderfront. 1985 errichtete die bayrische Bevölkerung in Philippsreut eine orginalgetreue Abbildung des Gebäudes (der Altarstein ist der der 1964 zerstörten Kirche von Strázny). Inzwischen steht seit 1990 auch auf böhmischer Seite am ursprünglichen Standort wieder eine genaue Rekonstruktion der einstigen Wallfahrtskapelle. Wir stiegen hinter der Kapelle auf den Stožecfelsen und waren mitten im Urwald – dick bemooste Felsbrocken unterhöhlte Bäume ließen uns an den Film Avatar denken. Nun fuhren wir steil hoch nach Böhmisch Röhren und den gleichen Weg zurück, den wir hergekommen waren.

Zum Abschlußabend wurde eine Geschichte über die Tussetkapelle gelesen und Peter zeigte eine kleine Auswahl von Bildern. Dann sangen wir Erwin ein Lied: „Erwin wir danken Dir für diese Woche hier, wir danken Dir. Für die verschlossene Tür, grüner Bus, der vielleicht fuhr, Erwin wir danken Dir für diese Woche hier!“ Wolf-Dieter hatte eine Oper geschrieben, die wir aufführten, und es wurde natürlich auch das Böhmerwaldlied gesungen.

Samstag, 2. Oktober 2010

Nun war die Zeit des Abschiednehmens gekommen. Gegen 9 Uhr fuhr ein Bus die Bahnfahrer nach Grafenau, um den Zug nach Zwiesel Abfahrt 10 Uhr zu erreichen. Eine schöne Woche war zu Ende gegangen, sogar das Wetter hatte trotz der schlechten Prognose ganz gut mitgemacht.